„Gesang eines welken Baumes und der Sonne“ als Höhepunkt

Singverein 1870 zu Gast beim Jubiläumskonzert des Singverein „Freiheit“ Schönau
 
Die intensive Probenarbeit der letzten Monate hat sich gelohnt. Das gemeinsame Männerchorkonzert unter dem Motto „Man(n) singt!“ in der Stadthalle Schönau, das die Chöre des Gastgebers und der Gäste aus Laudenbach boten, war ein wahrer Genuss. Der gemeinsame Chorleiter Thomas Wind hat bereits im April vergangenen Jahres in der Aula der Sonnbergschule die beiden Chöre erstmals  zusammengeführt und jetzt eine gelungene Fortsetzung inszeniert. Zwar verfügen beide Vereine auch über Frauenchöre, es war aber das gesetzte Ziel, einmal ausschließlich Männerchorliteratur darzubieten und hierbei wollte Wind höchsten Ansprüchen genügen. So entstand der Gedanke, das Stück „Gesang eines welken Baumes und der Sonne“, eine Komposition des Orff-Schülers Kan Ishii nach einer Dichtung von Koichiro Nakada, das beide Chöre vor vielen Jahren schon einstudiert und dargeboten hatten, in das Programm aufzunehmen. Seit Monaten stand dieses dann auch im Zentrum der wöchentlichen Proben beider Chöre und in zwei gemeinsamen Singstunden sorgte Wind für die Feinabstimmung des Chorwerkes, zu dessen erfolgreicher Darbietung am vergangenen Freitag in Schönau auch die beiden Pianisten Albrecht Wunderle und Soo Young Kyoung beitrugen. Während in den beiden Teilen „Einsam singt ein welker Baum“ und „Gebet des welken Baumes zur Sonne“ gefühlvolle Begleitung angesagt war, forderte der rhythmisch-dynamische Part „Chor der Winterstürme“ bei höchsten Tempi auch dem Begleiter am Flügel höchste Fertigkeit und Aufmerksamkeit im Zusammenwirken mit dem Chor ab. Alle Akteure bestachen und so wuchs das Werk zu jenem Glanzpunkt des Konzertes, den Wind für das Jubiläumskonzert angestrebt hatte. Und es galt in diesem Rahmen nicht nur das 130-jährige Vereinsjubiläum zu feiern. Thomas Wind konnte auf 40 erfolgreiche Chorleiterjahre in Schönau zurückblicken und wurde mir Ehrenbriefen des Deutschen und Badischen Chorverbandes bedacht und schließlich konnte auch der Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Rolf Ritter, sein 30-jähriges Amtsjubiläum begehen, das mit einer Ehrenurkunde besonders gewürdigt wurde.Das Konzert wurde vom Singverein 1870 mit dem fünfteiligen Zyklus „Schubertiade“ von Franz Schubert eröffnet, in dessen Mittelpunkt das bekannte Chorwerk „Die Nacht“ steht, das der Chor sehr einfühlsam und in sauber ausgesteuertem Piano darbot. Gleiches gilt für die Romantik ausstrahlenden „Abendfrieden“ und „Nächtliches Ständchen“, wärend die gesellige Runde mächtig mit „Freunde, sammelt Euch im Kreise“ eröffnet und mit dem Trinklied „Abschied“ beschlossen wurde. In beiden Teilen sorgte Thomas Wind neben dem Dirigat auch für den Solopart, Albrecht Wunderle für die Begleitung am Flügel. Mit den Spirituals „Roll, Jordan roll“ und „Now let me Fly“ und dem zeitgenössischen „Alleluia madrigal“ beschloss der Singverein beschwingt seinen Eröffnungsauftritt.
Der Gastgeber huldigte nach dessen Schüler Ishii den Meister Carl Orff mit „In taberna quando sumus“ aus „Carmina Burana“. Das in Rhythmik, Dynamik und Aussprache anspruchsvolle Chorwerk wurde von beiden Pianisten „zur vier Händen“ begleitet. Temperament- und humorvoll wurde „Der Speisezettel“  dargeboten, ehe das getragene „And so it goes“ und das bekannte „O when the saints go marching in“ in einer eingängigen Chorbearbeitung gesungen wurden. „Das Mädchen und der Matrose“ schilderte Liebe und Beziehungsprobleme auf internationalem, nämlich englisch-chinesischem Feld und bei „Tatschofonie“ wurde die Handysucht besungen, die ein Fall für die Psychiatrie sei, wobei der Chor durchweg glänzte. Zum Abschluss versammelten sich dann nochmals beide Chöre auf der Bühne, um mit Piotr Janczaks „Vivat musica“ ein Loblied auf die gemeinsame Leidenschaft anzustimmen. Stürmischer Beifall war der verdiente Lohn für ein großartiges Konzerterlebnis, das bei einem gemeinsamen Umtrunk noch entsprechend gefeiert wurde.                                          hb

MAN(N) Singt Konzert in Schönau am 17.05.2019