Jubiläumsmatinee als glanzvoller Auftakt in das stolze Geburtstagsjahr Singverein 1870 feierte mit zahlreichen Gästen im Festsaal der Sonnbergschule 150 Vereinsjahre. Viel Lob und Anerkennung wurde den Verantwortlichen des Singvereins 1870 für die Art der Durchführung der offiziellen Jubiläumsfeier zum stolzen 150-jährigen Bestehen zuteil. Trotz zweieinhalbstündiger Dauer mit zahlreichen Reden und Grußworten gelang ein kurzweiliges Programm mit viel musikalischer Umrahmung durch die beiden Chöre unter Leitung von Thomas Wind und Andreas Luca Beraldo und ein bestens aufgelegtes Streichquartett aus Lehrkräften der Musikschule Weinheim mit Olga Levinson und Carolina Blumenschein (Violine), Kathrin Lustig (Viola) und Ingibjörg Schwarze (Violincello). Sie boten „Andante festivo“ von Jean Sibelius, das „Menuett“von Luigi Boccherini und zum Abschluss den bekannten Strausswalzer „An der schönen blauenDonau“, der, wie Ehrenvorsitzender Karlheinz Bangert in seinen Schlussworten erläuterte, eine besondere Verbindung zu dem Jubilar hat, indem es das erste Stück war, das der langjährige Chorleiter Gerhard Wind mit dem Singverein einstudierte und es auch das letzte Stück war, das der Chor bei dessen Abschiedskonzert darbot.

Die Veranstaltung wurde durch den Männerchor mit dem bekannten Lied „Die Gedanken sind frei“ stimmgewaltig und mit glänzender Klavierbegleitung von Albrecht Wunderle eröffnet. Vorsitzender Friedhelm Stiller erinnerte in seiner Begrüßung der Ehrengäste, unter ihnen auch der künftige Bürgermeister Benjamin Köpfle, eine stattliche Gemeinderatsdelegation sowie Abordnungen aus Llanelli und Weimar, an den historischen Kontext zur Zeit der Gründung seines Vereins mit dem deutsch-französischen Krieg, der Reichsgründung und der Bismarck’schen Kanzlerschaft. Seitdem habe der Verein – wie in der Festschrift ausführlich dargestellt – viele Höhen und Tiefen durchlaufen. Er freute sich über den großartigen Besuch, den man sich auch für das Jubiläumskonzert am 16. Mai, den Liederabend mit dem Trentiner Bergchor am 17. und das Freundschaftssingen am 18. Oktober sowie das Weihnachtskonzert mit dem Philharmonischen Chor Weimar am 19. Dezember erhoffe.

In seiner mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Rede unternahm der Verfasser der Festschrift, Herbert Bangert, einen „Husarenritt“ durch die 150-jährige Vereinsgeschichte (wir berichteten). Er beleuchtete aber auch die Anfänge der Männerchorbewegung noch ehe der Singverein gegründet wurde und stellte sie in Zusammenhang mit dem Eöffnungslied „Die Gedanken sind frei“. Kein anderes Lied habe die Geschichte dieses Landes in den beiden letzen Jahrhunderten mehr begleitet und es sei glänzend geeignet, sinnbildlich für die beginnende Chorbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu stehen. Seinerzeit sei diese fortschrittlich geprägt gewesen und habe die bürgerlich-liberale Idee eines deutschen National- und Verfassungsstaates wesentlich mitgetragen und beeinflusst. Beim berühmten „Hambacher Fest“ 1832 sei das Lied von den Burschenschaften gesungen worden. Nach der Reichsgründung 1871 hätten sich die Sänger in ihrer großen Mehrheit von einer eher oppositionellen Kraft hin zu Stützen des Kaisertums gewandelt. Bangert gab auch einen kurzen Einblick in die Entstehung der Festschrift, bei der er große Unterstützung durch seine frühere Assistentin im Mannheimer Rathaus, Sabina Scipio, den freundschaftlich verbundenen Sven Olthoff, seinen Bruder und Ehrenvorsitzenden Karlheinz Bangert und Nobert Luber bezüglich der Mitgliederstatistik erfahren habe. Er wünschte dem Verein eine weitere gedeihliche Entwicklung, damit ein Chronist zum 200-jährigen Bestehen der bisherigen Erfolgsgeschichte weitere Kapitel anfügen könne und der Festschrift, die im Anschluss an die Veranstaltung verteilt bzw. vertrieben wurde, viele interessierte Leser.

Nach dem sehr gefühlvoll vorgetragenen „Adiemus“ des Frauenchors Cara Mia gab es die Festansprache des wegen eines operativen Eingriffs verhinderten Schirmherrn Eifion Thomas, langjähriger Chorleiter des Partnerchors „Meibion Llanelli“ in dreifacher Ausführung. Peter Thomas, früherer Vorsitzender des Partnerchors, trug sie in englischer, seine Ehefrau Linda als Kurzfassung in walisischer und der 2. Vorsitzende Heinz Hannemann in deutscher Sprache vor. Thomas führte aus, dass 150 Jahre Singverein für 150 Jahre Musizieren und Pflege von Freundschaften stehe. Er bedauerte den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union als aus seiner Sicht falschen Weg in die Zukunft. Die Mitglieder des Singvereins hätten durch ihr Singen im Chor die Botschaft von Frieden und Freundschaft in der Welt verbreitet. Er erinnerte an den ersten Besuch seines Chors 1975, als man sofort empfand, dass Laudenbach eine Gemeinde der Liebe, Freundschaft und Hoffnung sei sowie an den Abschluss der Chorpartnerschaft 1979. Es erfülle ihn mit Solz und es sei ihm eine große Ehre und besonderes Vergnügen, als Schirmherr zu dem besonderen Anlass gratulieren zu können und unterstrich das Leitmotto des Singvereins „Uns alle verbindet das Lied“, das die Vereinsfahne ziert und an diesem Vormittag als Bühnendekoration diente. Bürgermeisterstellvertreterin Dr. Eva Schüßler überbrachte die Grüße des bei einer Bürgermeistertagung weilenden Ortsoberhauptes und stellte einleitend fest, dass Singen glücklich mache. Dies gelte sowohl für die Singenden, ganz besonders im Chor, wie auch für die Zuhörer. Der Singverein sei als Kulturträger aus dem Gemeindegeschehen nicht wegzudenken. Er pflege aber auch die Geselligkeit und trage zum bürgerschaftlichen Leben beispielsweise durch das Betreiben der Kerwescheuer bei. Er habe sich immer wieder in den Dienst der Gemeinde bei entsprechenden Veranstaltungen gestellt und sich schon früh dem europäischen Gedanken mit Kontakten in die Niederlande, nach Wales, ins Trentino und in die Normandie, wo man wiederholt in der Partnergemeinde Ivry-la-Bataille konzertiert habe, verschrieben. Man sei also sowohl in der Völkerverständigung, wie auch bei der Wiedervereinigung aktiv gewesen, attestierte Schüßler mit Blick auf die Verbindung mit Weimar, ehe sie Stiller eine Jubiläumsgabe überreichte. Dieser dankte seinerseits der Gemeinde für die Unterstützung und Zusammenarbeit, auch zur besonderen Freude von Pfarrerin Birgit Risch, mit einem Gutschein für die Begrünung des neu zu gestaltenden Platzes vor der alten Dorfkirche.

„Gabriellas Song“ des Frauenchors leitete über zum Grußwort des Vorsitzenden des Sängerkreises Weinheim, Rudi Neumann. Er sah Musik als Menschen emotional verbindendes Element, das Sprachbarrieren überwinde und das Leben bereichere. Der Singverein 1870 sei ein herausragender Repräsentant des Chorwesens, dessen guter Ruf weit über die Gemeindegrenzen hinausreiche. Er habe sich stets fortschrittlich, mit neuen Ideen überraschend präsentiert und könne mit Stolz auf seine Geschichte zurückblicken. Er überbrachte auch die Glückwünsche des Badischen und Deutschen Chorverbandes und überreichte entsprechende Urkunden. Gemeinsam mit Friedhelm Stiller nahm er die Ehrungen verdienter Sänger vor (siehe Ehrungen). Nach dem zeitgenössischen Chorsatz „Vivat Musica“ des Männerchor überbrachte Marko Zöllner die Grüße des Philharmonischen Chors Weimar und sah es ls großen Gewinn, Freunde zu haben, die die Liebe zur Musik verbinde. Man blicke mit großer Vorfreude auf das gemeinsame Weihnachtskonzert zum Jubiläumsabschluss. Hans-Jochim Gottuck gratulierte für die in der“ArbeitsgemeinschaftLaudenbacher Vereine“ zusammengeschlossenen Vereine und Organisationen und attestierte dem Singverein, sich seiner Tradition bewusst, aber auch auf Gegenwart und Zukunft ausgerichtet zusein. Er dankte für das kulturelle Engagement, die harmonische Zusammenarbeit und stete Unterstützung durch den Singverein und überreichte mit den Wünschen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung eine Jubiläumsgabe.

In seinem Schlusswort beleuchtete Enrenvorsitzender Karlheinz Bangert die aktuelle Situation der Chorbewegung, die sich zwar nicht in einer Krise befinde, die aber von Nachwuchssorgen geplagt sei. Den Chören sei aber auch weiterhin große Bedeutung beizumessen, indem sie eine kultur-,sozial- und gesellschaftspolitische Funktion erfüllten. Er warb für einen Beitritt in die Singvereinschöre bzw. die Unterstützung als förderndes Mitglied und dankte allen mit Blumen bzw. Weinpräsenten, die zum Gelingen der Matinee sowie allen Spendenden, die großzügig zur Bewältigung der Jubiläumsaktivitäten beigetragenn hätten und lud zu einem Umtrunk ein, nachdem Männer- und Frauenchor gemeinsam mit „We are the world“ die Matinee beschlossen hatten. hb

Herbert Bangert bei seiner Festansprache
Friedhelm Stiller mit Rudi Neumann

Ehrungen beim Singverein 1870

Für 25-jähriges Singen im Chor zeichneten Rudi Neumann und Friedhelm Stiller Harald Dilchert, Dieter Kremmin und Edmund Müller aus. 50 Jahre unterstützen Heinz Hannemann und Siegfried Quednau den Chor. Der langjährige ehemalige zweite Vorsitzende und Chorsolist Edmund Schmitt wurde für 60-jähriges, Otto Felz gar für 70-jähriges aktives Singen geehrt.

Für 25-jährige Vereinszugehörigkeit waren durch die Vereinsführung weiter Udo Dember, Alexander Giegrich, Sylvia Hack, Bernd Hauptfleisch, Karl Leitwein, Ortwin Schümmer und Fritz-Eckart Wandel (Weimar) auszuzeichnen. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurde Reinhard Unger, für 50Jahre Berthold Bingen, Willi Ehrhardt, Otto Felz, Heribert Hain, Herbert Helly und Robert Kessler und für 60-jährige Vereinstreue Kurt Noe geehrt. hb

CaraMia und Männerchor
Karlheinz Bangert mit Schlußwort

Bilder Dieter Hildenbeutel

Jubiläumsmatinee am 26.Januar 2020